Logo des Mediationsbüro Pilartz

Holzstämme

Mediation im Privatleben

Neuer Generationenvertrag
Fallbeispiel

Ein älteres Ehepaar (77, 72) meldete sich in unserem Büro mit einer klaren Fragestellung: Wir sollten mit ihnen gemeinsam das Testament, welches vor einigen Jahren zum Vorteil der 3 Kinder erstellt wurde, durchsprechen und anpassen.

Grund für eine beabsichtigte Testamentänderung waren Umbaumaßnahmen am elterlichen Haus, dass die Eltern zusammen mit einem Sohn und dessen Familie bewohnten. Die Umbauten wollte der Sohn bezahlen, brauchte aber eine Sicherheit.  Die Eltern befürchteten, dass im Falle längerfristiger Pflege in einer beschützten Einrichtung das Sozialamt für die entsprechenden Kosten aufkommen müsste und sich dann am Vermögen der Eltern, dem Haus, schadlos halten würde. Da auch die Investition durch den Sohn nicht zur Wertsteigerung des Hauses den anderen Geschwistern zum Vorteil gereichen sollte, überlegten die Eltern, das Haus an den Sohn zu veräußern.

Folgende Probleme ergaben sich aus ihrer Sicht:

  1. Der Sohn hatte nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten
  2. Es sollte kein Konflikt unter den Geschwistern entstehen
  3. Die Eltern wünschten soweit möglich bis zum Lebensende im Hause zu verbleiben.

In einer ersten Sitzung nur mit den Eltern wurden verschiedene Gesichtspunkte der geplanten Transaktion bearbeitet. Schnell wurde deutlich, dass der angedachte Kaufpreis für das Haus recht niedrig sein sollte. In dem Zusammenhang befürchteten die Eltern Unwilligkeit auf Seiten der anderen Kinder. Die Eltern wurden gebeten, sich in die Lage der Kinder zu versetzen ihre Annahme der entsprechenden Gefühlslage und Argumentationen zu formulieren (Perspektivwechsel).

Darüber hinaus wurde besprochen, welche Lebensänderungen in den nächsten Jahren zu erwarten seien. Über die Testamentfrage hinaus wurden Überlegungen skizziert, wie die Zukunft des Paares aussehen könnte. Zunehmender Hilfsbedarf durch die Familie des im Haus wohnenden Sohnes, Organisation und Betreuung im Krankheitsfall durch diesen, Entlastung von Alltagsaufgaben, möglicherweise Fahrdienste... Die medizinische, bzw krankenpflegerische Unterstützung sollte ggf durch Profis stattfinden! Auch die Themen von Patiententestament und Vorsorgevollmacht wurden erörtert.

Es wurde verabredet, dass das Paar nach Erstellung eines ausführlichen Protokolls  zu den offenen Punkten eine eindeutige Position entwickeln sollte um sich dann erneut im Verbund der Gesamtfamilie mit uns treffen.
Wochen später kam es dann zu diesem Treffen. Nach kurzer Zusammenfassung der letzten Sitzung (die Kinder hatten auch ein Protokoll erhalten!) wurden die Kinder einzeln nach ihren Vorstellungen befragt. Interessanterweise stimmten die entsprechenden Angaben nicht mit den Annahmen der Eltern überein: Übereinstimmend war das Anliegen der Kinder, die Eltern sollten einen sorglosen Lebensabend unter geregelten und abgestimmten Bedingungen haben. Wünschenswert wäre es, wenn sie in ihrem Haus wohnen bleiben  und Hilfe durch den Bruder und seine Familie geleistet werden könnte. Die finanzielle Transaktion der Hausveräußerung interessierte die beiden anderen Geschwister relativ wenig, wenn sie auch den Preis als äußerst günstig bezeichneten. In Verbindung mit  übernommenen Pflichten und Verantwortungen ihres Bruders bezüglich der Versorgung der Eltern   sei der Preis absolut angemessen.

Im Gespräch der Familie wurden noch „Feinsteuerungen“ vorgenommen: Informationspflichten; Verantwortung ohne Rechtfertigungsängste; Urlaubsregelungen; was passiert im Falle einer Scheidung des ortsansässigen Sohnes...

Insgesamt jedenfalls wurde das Treffen beendet mit einer Klärung des Gesamtkomplexes „Lebensabend der Eltern“ unter äußerst differenzierter Sicht. Falls und in welcher Weise irgendwann Anpassungsbedarf an die besprochenen Vereinbarungen notwendig wird, bleibt der Zukunft vorbehalten. Die Vereinbarung wurde auf der Grundlage des Endprotokolls notariell fixiert.