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Garnrollen

Mediation im Berufsleben

Unternehmer & Betriebsrat
Fallbeispiele

Dem Betriebsrat wird eine Beschwerde eines Mitarbeiters gegen einen Kollegen vorgetragen. Der Betriebsrat als Ansprechpartner für beide Mitarbeiter, bittet die Unternehmensleitung, im Rahmen der Prüfung der Vorwürfe, einen externen Mediator/in einzuschalten. Seine Interessenlage geht dahin, der  Verantwortung gegenüber beiden Kollegen gerecht zu werden, ohne in die Situation des Entscheiders zu geraten. Zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung wird verhindert, dass es zu einer „Stellvertreterproblematik“ kommt, weil beide über die Berechtigung der Beschwerde unterschiedlicher Meinung sein können. Der Konflikt wird an der Stelle bearbeitet, wo er entstanden ist.


In einem Unternehmen  sollen einheitliche Vertragsänderungen zwecks Anpassung (Stichwort: Schuldrechtsreform) und Einsparungen vorgenommen werden. Der Anpassungsbedarf ist zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat nicht streitig. Die einzelnen Veränderungen werden jedoch sehr unterschiedlich gesehen und gewichtet. In mehreren Sitzungen, in denen ein gemeinsamer Vorschlag für die Belegschaft erarbeitet werden sollte, sind die Gemeinsamkeiten immer mehr aus dem Blickfeld geraten, die Fronten haben sich verhärtet.
Mit Beginn der Mediation werden die Beteiligten zunächst an ihren gemeinsamen Ausgangspunkt zurückgeführt. Sodann haben sie Gelegenheit, ihre Ideen ausführlich zu erläutern. Hier zeigt sich bereits, dass es Missverständnisse und Fehlinterpretationen bei den einzelnen Vorschlägen gegeben hat. Trotz Zeitdruck und Ungeduld achtet der Mediator darauf, dass alle Fragen, die im Raum stehen auch wirklich angesprochen und beantwortet werden.

Die Geduld lohnt sich: Mit der ausführlichen Erläuterung der unterschiedlichen Lösungsideen wird deutlich, welche Bedürfnisse hinter den Lösungsansätzen/Positionen stehen.

An dieser Stelle geht es nicht um die Diskussion von Einzelfragen, sondern darum, welches Gesamtkonzept stimmig sein könnte: z.B: Anlehnung an einen Tarif, eigener Haustarif, Individualvereinbarungen etc.     

Dahinter liegen Fragen der Beständigkeit/Veränderbarkeit für die Arbeitnehmer, der Anpassung an die zukünftige Entwicklung, der Verhandlungsstärke bei Änderungsbedarf...

Die Parteien erleben in dieser Phase eine große wechselseitige Offenheit. Es gelingt ihnen der Perspektivwechsel und das Verständnis für die Interessen des Verhandlungspartners. Jetzt kann mit dem Verhandeln der Einzelfragen begonnen werden.
Eine win–win Lösung entsteht, denn das Verhandlungsergebnis erkennt die wichtigsten Bedürfnisse beider Partner an.


Betriebsrat und Unternehmensleitung konfrontieren sich immer wieder mit den gleichen Vorwürfen:

„Wir werden nicht ausreichend informiert! Wir werden zu spät informiert!“
„Der Betriebsrat nimmt eine Verweigerungshaltung ein. Er ist nicht bereit, Verantwortung mit zu übernehmen.“
„Alles wäre wunderbar, hätten wir nur einen anderen Betriebsratsvorsitzenden/ Geschäftsführer…“

Auch aus diesen Konstellationen finden sie einen Weg, ohne dass sie auf ein „Wunder“ von außen warten müssen. Mit Hilfe der Mediation erarbeiten die Beteiligten  neue Formen des Umgangs miteinander. So klären sie beispielsweise, wie Informationen laufen sollen, wann die Tagesordnung für das Monatsgespräch vorliegt, welche Ansprechpartner zu kontaktieren sind, wie man Fristen für Stellungnahmen besser einhält, etc.  In dem sie (oft zum ersten mal) ihre Vorbehalte formulieren und erläutern, was für sie wichtig ist, öffnet sich der Weg, Missverständnisse auszuräumen, Vorurteile abzubauen und eine zufriedenstellende Kommunikation zu erreichen.